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Das Bundesting im Sommer 1957 beschließt eine Änderung der Kluft. Das grüne Hemd und die dunkle Kordhose werden ersetzt: "Die Sommerkluft - khakifarbenes Hemd, ein stahlgraues Halstuch, rauchgraue kurze Hose aus Zeltstoff, graue Kniestrümpfe. Winterkluft - statt der kurzen Hose eine rauchgraue Trenkerhose aus Cordstoff. Dazu mach Wahl ein rauchgrauer Anorak oder eine rauchgraue Winterbluse mit kurzem Kragen, die aus der Grundform der bretonischen Seemannsjacke (ähnlich der Jungenschaftsjacke) entwickelt wurde." ist in "Die große Fahrt" (7-8 Jahrgang 1957), der Mitgliedszeitschrift der DPSG zu lesen.

Das 19. Bundesthing befaßt sich eingehend mit dem Erziehungsmodell Baden-Powells, seinen Hintergründen, Absichten, Methoden und Wirkungen. Die DPSG erkennt die Wichtigkeit, die Erziehungsbemühungen an den Bedürfnissen der Zeit zu orientieren. Die Festlegung auf äußere Formen wie Halstuch, Gruß und so weiter werden als zweitrangig erachtet. In Westernohe finden wieder Arbeitslager der Georgsritterschaft statt, sowie eine zweite Freizeit für körperbehinderte Buben.

Die Bundesführung ruft zur Aktion´61 für den Ausbau des Sozialwerks der Georgsritterschaft in Westernohe auf. Diese erste Aktion "Flinke Hände, flinke Füße" erbringt 267 465,- DM für den Ausbau des Bundeszentrums in Westernohe.

1963 unternimmt die Roverschaft eine Fahrt nach Rom als Ausdruck "ihrer Orientierung am Glauben der Kirche". Ebenfalls in diesem Jahr findet der erste Leiterkongress der Internationalen Konferenz des katholischen Pfadfindertums (CICS) in Jambville bei Paris statt, an dem "mehrere 100 Leiter und Kuraten" teilnehmen. Der französiche Partnerverband Scouts de France (SdF), mit dem die DPSG seit dem Friedensjamboree bei Moisson ein dickes Band der Freundschaft verbindet, ist der Gastgeber. In dieses Jahr fällt auch die Gründung des Deutsch-Französichen Jugendwerks (DFJW), zu dessen Gründungsmitgliedern die SdF und die DPSG gehören.

Das 24. Bundesthing in Passau 1964 steht im Zeichen beginnender "Reformen" in der DPSG. Die Pfadfinderlilie erhält eine neue, "zeitgemäßere" Form und die Kluft wird mal wieder geändert. Das Hemd hat in Zukunft nur mehr eine Brusttasche. Darüber ist statt einer Taschenklappe nur mehr schmaler Knebel angebracht, auf dem die Tuchlilie in der heutigen Form Platz findet. Das Aufbringen der bisherigen Lilie auf rautenförmigen oder rechteckigen Grund ist nicht mehr möglich. Dafür kann die Lilie jederzeit in der Brusttasche verschwinden. Der Pfadfinderhut wird "abgeschafft". Alternativ wird das als neue Kopfbedeckung über das Rüsthaus Sankt Georg verkauft. In der Zeitschrift "Georgspfadfinder" heißt es darüber jedoch lediglich: "Jungpfadfinder und Pfadfinder können wahlweise die graue Baskenmütze oder den Pfadfinderhut als Kopfbedeckung tragen. Ein Pfadfindertrupp kann immer nur geschlossen die eine oder andere Kopfbedeckung wählen."

In den folgenden Jahren wird aus dem Pfadfinderbund ein Pfadfinderverband, aus Pfadfinderführern werden Pfadfinderleiter, das Bundesthing heißt in Zukunft Bundesversammlung, der Gau Bezirk, das Land Diözese usw... Man will dadurch vom "Wald- und Wiesenpfadfinderklischee" wegkommen. Die Zukunft der Pfadfinder soll auf der Straße gefunden werden, sozusagen bei den Menschen im jetzt und hier im Brennpunkt der Gesellschaft. Die Pfadfinder "entdecken" sozusagen die Politik als neues Betätigungsfeld.

1966 ist die DPSG Gastgeber für den Leiterkongreß CICS in Koblenz. Das Banner trägt nunmehr die neue Lilie und diese nicht mehr wie gehabt in der Mitte des Georgskreuzes, sondern im linken oberen Feld.

1968 beschließt das Bundesthing, daß die Jungpfadfinder eine selbständige Altersstufe werden. Die "Große Fahrt", die Zeitschrift der Pfadfinderstufe und Georgsritter wird abgeschafft. An ihre Stelle treten eine neue Zeitschrift für die Pfadfinder und die "Entwürfe" für die Führungskräfte der DPSG.

"Die Zeit für die Kluft schien abgelaufen. Die Pfadfinderschaft erlebte einen Zusammenbruch, einen fundamentlen Mitgliederschwund." Mit diesen Worten kommentierte ein ehemaliger Stammesführer die Vorgänge Mitte bis Ende der 60-Jahre. Das Programm "Expansion" soll eine Antwort auf die stark rückläufige Mitgliederzahl geben.

Um 1970 finden sich ehemalige Mitlgieder und Freunde der DPSG im "Freundes- und Fördererkreis der DPSG e.V." zusammen. Der Ziel des Vereins ist, die DPSG in ihren pädagogischen, seelsorglichen und sozialen Aufgaben ideell und wirtschaftlich zu fördern, ohne jedoch direkten Einfluß auf die DPSG auszuüben. In den Rovergruppen gibt es erste gemischtgeschlechtliche Gruppen. Ein Entwurf für die geplante neue Bundesordnung wird beraten.

1971 beschließt das Bundesthing den Grundsatzteil der Neuordnung des Verbandes. Das Pfadfindergesetz wird durch die Leitlinien ersetzt, die nach offizieller Lesart "Weiterführung des Pfadfindergesetzes aus 1930" sind. Ab jetzt können offiziell Mädchen Mitglieder in der DPSG werden. Die Ausbildung in der DPSG und das neue Konzept für die Bundeskurse werden bei der 32. Bundesversammlung 1972 beraten.

1974 fahren 120 Mitglieder der DPSG nach Porto Novo in Dahomey und arbeiten am Bau eines Jugendbildungszentrums im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung. Am 14. Jamboree, dem sogenannten Nordjamb am Lake Mjosa bei Lillehammer (Norwegen) nehmen 17259 Pfadfinder teil, darunter 600 DPSGler.

Auf ihrer 46. Bundesversammlung 1975 befaßt sich die DPSG mit dem Studienthema "Sexualerziehung in der DPSG". Die Altersgrenzen der Stufen werden neu festgelegt. Das Konzept "Entwicklungspolitisches Engagement in der DPSG und PSG" wird fertiggestellt.

Die Bundesversammlung 1976 beschließt ein Konzept zur politischen Bildung, das pfadfinderische Schwerpunkte für das politische Handeln des Verbandes beschreibt. Im Jahr darauf wird beschlossen, weder zum Jamboree in den Iran noch zu den Weltjugendfestspielen nach Kuba zu fahren, weil die DPSG sich "nicht an der Aufwertung von Staatssystemen beteiligen will, die den Grundlinien der Lebensauffassung des Verbandes widersprechen". 2000 "Künstler" aus dem Verband treffen sich in Westernohe zum "Festival der fünf Sinne".

Das Jahr 1979 steht ganz im Zeichen des 50jährigen Jubiläums der DPSG. Es gibt vielfällige Aktivitäten auf Stammes-, Bezirks-, Diözesan- und Bundesebene. Baloo

Dieser Beitrag wurde aus folgenden Quellen zusammengestellt:
- Informationsblatt "Ein Blick in die Geschichte" der DPSG
- Ordnung, Satzung, Geschichte des Verbandes, DPSG
- Pfadfinder, ein anderer Weg, DPSG-Bundesleitung, Georgsverlag,
- Georgspfadfinder Jahrgang 1964, DPSG-Bundesleitung, Georgsverlag
- Die Pfadfinderverbände in der Bundesrepublik Deutschland, Paul-Thomas Hinkel, Deutscher Spurbuchverlag