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Inhalt

B.P.s Abschlussrede zum 1. Jamboree
B.P.s Abschiedsrede beim 5. Jamboree
Abschiedsbrief an die Pfadfinderinnen
Abschiedsbrief an die Pfadfinder

B.P.s Abschlussrede zum 1. Jamboree in London (GB)

Pfadfinderbrüder! Ihr müsst Elite sein. Unstimmigkeiten bestehen zwischen den Völkern der Welt im Gedanken- und Gefühlsbereich, genau wie in ihrer Sprache und Lebensweise. Der Krieg hat uns gezeigt: Wenn eine Nation versucht, ihre eigenen kleinlichen Wünsche gegen andere durchzusetzen, dann entbrennt notgedrungen eine grausame Auseinandersetzung.

Das Jamboree hat uns aber gelehrt: Wo gegenseitige Achtung und Toleranz herrschen, da entsteht Sympathie und Harmonie. Wenn ihr damit einverstanden seid, dann lasst uns von hier weggehen mit dem ganzen und ungeteilten Willen unter uns selbst und unter anderen Jungen diese Kameradschaft zu fördern durch den weltweiten Geist der pfadfinderischen Brüderlichkeit. Und so mögen wir mithelfen am Wachstum von Frieden und Glück in der Welt und an der Zunahme des Wohlwollens unter den Menschen.

B.P.s Abschiedsrede beim 5. Jamboree in Vogelenzang (NL) 1937

Das Symbol unseres Jamboree ist der Jakobsstab. Das ist ein Instrument, mit dem die Seefahrer alter Zeiten ihren Weg über das Meer fanden. Lasst es auch für uns Menschen der Jetztzeit ein Zeichen sein, das uns führt in unserem Leben. Es ist das Kreuz, das für alle jene unter Euch, die Christen sind, den Weg weist; es ist aber auch ein Kreuz, das viele Arme hat; diese sind ausgestreckt, alle Glaubensbekenntnisse einzuschließen. Diese acht Arme zusammen mit Spitze und Fuß des Zeichens erinnern uns an die zehn Punkte des Pfadfindergesetzes. Hört nicht auf, mit diesem Zeichen den Geist des Wohlwollens zu verbreiten.... Und nun wird es Zeit, dass ich Euch "Auf Wiedersehen" sage. Ich wünsche Euch ein glückliches Leben. Ihr wisst, dass sich viele von uns in dieser Welt nicht mehr wiedersehen werden. Ich stehe in meinem 81. Lebensjahr und mein Leben neigt sich dem Ende zu. Die meisten von Euch stehen erst am Anfang und ich wünsche Euch, dass Euer Leben glücklich und erfolgreich wird. Ihr könnt selbst dazu beitragen, wenn Ihr Euer Bestes tut, um das Pfadfindergesetz zu erfüllen, jeden Tag, was immer ihr zu tun habt, wo immer ihr auch sein werdet!

Ich wünsche Euch, dass Ihr das Zeichen des Jamborees, das Ihr auf Euren Uniformen tragt, behütet. Ich hoffe, dass Ihr daran festhaltet und es als etwas Kostbares wert haltet und Euch immer daran zu erinnern versucht, was es bedeutet. Es wird eine Erinnerung sein an die glücklichen Zeiten, die Ihr in diesem Lager mitgemacht habt, es wird Euch daran erinnern, die zehn Punkte unseres Pfadfindergesetzes zu halten als das, was Euch durchs Leben führt; und es wird Euch an die vielen Freunde erinnern, denen Ihr auf diese Weise durch Euer brüderliche Gesinnung dazu beitragt, Gottes Friedensreich unter den Menschen auszubreiten.

 

Abschiedsbrief an die Pfadfinderinnen

Meine lieben Pfadfinderinnen!

Dies ist mein Abschiedsbrief an Euch, der letzte, den Ihr von mir bekommen werdet. Er soll Euch daran erinnern, wenn ich nicht mehr bin, dass Eure Aufgabe im Leben ist, selbst glücklich zu sein und andere glücklich zu machen. Das klingt bequem und leicht, nicht wahr? Fangt damit an andere Leute glücklich, indem Ihr ihnen Gutes tut. Über das Selberglücklichsein braucht Ihr Euch keine Gedanken zu machen, denn das kommt dann, wie Ihr merken werdet, von selbst. [...]

Ihr werdet hart arbeiten müssen. Der Lohn wird aber nicht ausbleiben. Wenn Eure Kinder gesund, unverdorben und unternehmungslustig heranwachsen dürfen, werden sie glücklich sein und glückliche Kinder lieben ihre Eltern. Eine reinere Freude als die Liebe eines Kindes gibt es nicht.

Ich bin überzeugt, dass Gott unser Glück in diesem Leben will. Wir dürfen auf einer Erde leben, die voller Schönheit und Wunder ist. Gott versah uns nicht nur mit Augen, um das alles wahrzunehmen, sondern auch mit dem Verstand, diese ganze Pracht zu erfassen. Wir dürfen es nur nicht an der inneren Einstellung fehlen lassen. Wir können uns freuen am hellen Sonnenschein und einer schönen Landschaft. Wir könnnen mit Staunen betrachten, wie aus dem Samenkorn die junge Pflanze wächst. Sie trägt Blüten, die in sich neue Blumen birgt, wenn sie selbst zugrunde geht. Wenn auch, wie beim Menschen, die einzelne Pflanze stirbt, ihre Art stirbt nicht aus, denn neue entstehen und wachsen empor, um den Plan des Schöpfers zu erfüllen. Ihr werdet erkennen, dass Ihr Frauen in zweifacher Hinsicht bestimmt seid, Helferinnen an der Schöpfung Gottes seid: Einmal, um Eure Familie weiterzutragen, Kindern das Leben zu schenken, die an die Stelle der Verstorbenen treten werden; zum anderen, um Glück in die Welt zu bringen, indem Ihr das Glück in Euer Heim bringt und selbst ein gütige, heitere Gefährtin Eures Mannes und Eurer Kinder seid. Das ist es, was Euch besonders betrifft. Gefährte zu sein bedeutet, Interesse an der Arbeit und den Plänen Eures Mannes zu haben, ihm in Zuneigung und mit Euren eigenen Vorschlägen zu helfen und auf diese Weise Schutzengel zu sein. Auch dadurch, dass Ihr Eure Kinder zu starken und guten Charakteren erzieht, auf das leibliche Wohl und die Gesundheit achtet, werdet Ihr ihnen helfen, das Leben besser und glücklicher zu leben. Je mehr Liebe und Glück Ihr auf diese Weise verschenkt, desto mehr werdet Ihr die Liebe Eures Mannes und Eurer Kinder haben und etwas Schöneres gibt es auf dieser Welt nicht.

Ihr werdet sehen, dass der Himmel nicht irgend ein fernes Glück jenseits der Wolken ist für die Zeit nach dem Tode, sondern dass Ihr ihn schon vorher in diese Welt, in Euer Heim hereinholen könnt. Führt andere so zum Glück und Ihr werdet Euch selbst Glück bringen. In der Erfüllung dieser Aufgabe tut Ihr genau das, was Gott von Euch will. Gott sei mit Euch!

Abschiedsbrief an die Pfadfinder

Liebe Pfadfinder!

In dem Theaterstück "Peter Pan", das Ihr vielleicht kennt, ist der Piratenhäuptling stets dabei seine Totenreide abzufassen aus Furcht, er könne, wenn seine Todesstunde käme, dazu keine Zeit mehr finden. Mir geht es ganz ähnlich. Ich liege zwar noch nicht im Sterben, aber der Tag ist nicht mehr fern. Darum möchte ich noch ein Abschiedswort an Euch richten. Denkt daran, dass es meine letzte Botschaft an Euch ist und beherzigt sie wohl. Mein Leben war glücklich und ich möchte nur wünschen, dass jeder von Euch ebenso glücklich lebt. Ich glaube, Gott hat uns in diese Welt gestellt, um darauf glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. Das Glück ist nicht die Folge von Reichtum oder Erfolg im Beruf und noch weniger von Nachsicht gegen sich selbst. Ein wichtiger Schritt zum Glück besteht darin, dass Ihr Euch nützlich erweist und des Lebens froh werdet, wenn Ihr einmal Männer sein werdet.

Das Studium der Natur wird Euch all die Schönheiten und Wunder zeigen, mit denen Gott die Welt ausgestattet hat, Euch zur Freude. Seid zufrieden mit dem, was Euch gegeben ist und macht davon den bestmöglichen Gebrauch. Trachtet danach, jeder Sache eine gute Seite abzugewinnen. Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht. Versucht die Welt ein bißchen besser zu verlassen als Ihr sie vorgefunden habt. Wenn dann Euer Leben zu Ende geht, mögt Ihr ruhig sterben im Bewusstsein, Eure Zeit nicht vergeudet, sondern immer Euer Bestes getan zu haben. Seid in diesem Sinn "Allzeit bereit", um glücklich zu leben und zu sterben. - Haltet Euch immer an Euer Pfadfinderversprechen, auch dann, wenn Ihr keine Knaben mehr seid. Euer Freund