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Sehr viele Entwicklungen in der Geschichte des Pfadfindertums beruhen auf persönlichen Erlebnisse aus der Kinder- und Jugendzeit von BiPi. Um dies zum Teil weltbewegenden Entwicklungen verstehen zu können, sollte man erstmal den Lebenslauf von BiPi umreißen.

22. Februar 1857

wird Robert Stephenson Smyth Baden-Powell in London, nahe des Hydeparks, als achtes von 10 Kindern, des zweimal verwitweten Theologie- und Geometrieprofessors (Dozent an der Universität Oxford) H.G. Baden-Powell und seiner dritten Ehefrau Henrietta Grace Smyth geboren. Als Pate bei der Taufe steht der Sohn des Erfinders der Dampfmaschine George Stephenson.

1860

stirbt der der 64jährige Vater. Fortan übernimmt der 73jährige Großvater Smyth, ehemaliger Admiral ihrer Majestät, die Erziehung des jungen Ste.

1870

tritt er in das renommierte Charterhouse-College ein, wo er mit seinen in früher Kindheit erworbenen Waldläuferkenntnissen seine Mitschüler verblüfft. Ebenso lieferte er sich mit seinen Erziehern ein "Versteckspiel", denn die Schulleitung verbat solche Ausflüge abseits der Wege. Diese so erworbenen Erfahrungen kamen ihm später in Afrika zugute.

1876

Er schaffte den Abschluss nach sechs Schuljahren mehr schlecht als recht. Im gleichen Jahr hatte sich BiPi bei der ältesten und meist angesehendsten Militärakademie Englands, Sandhurst, eingeschrieben. Es war eine Ausbildungsstätte für Eliteoffiziere, war berüchtigt für ihre strenge Aufnahmeprüfung, pro Jahr wurden nur 40 neue Anwärter angenommen. Baden-Powell schnitt von 717 Bewerbern als zweitbester bei den Kavallerieanwärtern und als viertbester als Infanterieanwärtern ab. Er suchte sich das 13. Husarenregiment aus. Am 30. Oktober erfüllte er sich einen langersehnten Traum: Der 19jährige Unterleutnant startete nach Indien, einem Land seiner Träume.

14. Juli 1899

Eintreffen in Südafrika. Er sollte zwei Kundschafterteams in den beiden Städten Bulawayo und Mafeking ausbilden. Am 11.Oktober wurde offiziell der Kriegsausbruch bekanntgegeben. Nahezu 9000 schwerbewaffnete Buren umzingelten unter Führung von General Cronje die Stadt Mafeking. In Mafeking waren nur etwa 700 britische Soldaten stationiert, geringfügig unterstützt von etwa 300 Zivilisten außerdem viele Frauen, Kinder und einige Eingeborene. Baden-Powell setzte zum ersten Mal Jugendliche als Boten ein. Sie sollten selbstverantwortlich handeln. "Ein Mann der noch eine Fehler begangen hat, hat noch nie etwas getan" sagte er zu ihnen. Am 16. Mai 1900 konnte das Expeditionheer Mafeking nach 217 Kriegstagen befreien und dabei feststellen, dass der totgeglaubte Kriegsheld bei bester Gesundheit war. Die ganze Verteidigung war ein einziger Bluff.

1902-1903

In diesen Jahren war das "Protektionskind" damit beauftragt, die Organisation der südafrikanischen Polizei nach Prinzipien der Kundschafter (Pfadfinder) auszubilden. Er war als Kaverllerieinspektor in England tätig, allerdings konnte er sich schnell wieder von diesem Posten befreien, da er diesen Schreibtischposten nicht lang durchhielt.

1907

BiPi wurde auf erneute Bitten an den König Eward VII. von seiner Arbeit als Generalmajor im Dienste ihrer Majestät halb entbunden, denn Lord Wolseley wollte auf die Arbeit B.P.s nicht gänzlich verzichten. Er akzeptierte eine Halbpensionierung. Am 1.August 1907 ruderte er mit 22 Jungen aus allen Gesellschaftsschichten nach Brownsea Island rüber. Das erste Pfadfinderlager. Neun Tage lang praktizierte BiPi das erzieherische Programm der Pfadfinderbewegung. Der Verleger Pearson regte Baden-Powell dazu an, in der neugegründeten Zeitung "The Scout" regelmäßig Berichte zu veröffentlichen. BiPi kam das Angebot gerade recht. Denn er wollte sein Buch "Scouting for Boys" unverzüglich abfassen.

1908

Gesagt, getan. In diesem Jahr kam das Buch heraus und wurde in riesigen Mengen abgenommen. Heute sind die Auflagenzahlen nicht mehr feststellbar, jedenfalls gehen sie weit in die Millionen.

7. Mai 1910

An diesem Tag ging BiPi offiziell in Pension. Dem Abschiedsgesuch BiPis antwortet König Edward VIII. persönlich mit den Worten:"Die Organisation der Pfadfinderbewegung ist der größte Dienst, den Sie unserem Land leisten können." Im Jahr zuvor übernahm Edward auch das Patronat der Pfadfinderbewegung.

30. Oktober 1912

Heirat mit der auf den Tag genau 32 Jahre jüngeren Olave St. Clair Soames.

1918

übernahm Olave die Pfadfinderinnenbewegung.

1919

bekamen die Pfadfinder von dem schottischen Gummi-Magnaten W.F. de Bois MacLaren ein riesiges Stück Land, den späteren Gilwell-Park, geschenkt.

1920

Das erste World-Jamboree, Weltpfadfindertreffen, fand in der Londoner Olympia-Hall statt : 8000 Pfadfinder aus 27 Ländern. Zwei Jahre nach dem ersten Weltkrieg lebten hier Jugendliche zusammen, die selbst oder ihre Väter zwei Jahre vorher gegeneinander gekämpft hatten. Auf diesem Treffen wurde er zum "Chief Scout of the World" proklamiert.

1929

Drittes Jamboree in Birkenhead (England) mit 50.000 Pfadfindern aus 69 Ländern. Robert Baden-Powell wird zum "Lord of Gilwell" geadelt und Olave zur "World Chief Scout" proklamiert.

1938

zog Robert Baden-Powell nach Nyeri in Kenia (Afrika).

8. Januar 1941

starb der Gründer der Pfadfinderbewegung. Aufwendiges Zeremoniell wurde auf Wunsch des Toten vermieden. Sein Sarg wurde auf eine Geschützlafette zum Grab gezogen und wurde von drei Fahnen bedeckt: der Fahne Englands, der Fahne der Pfadfinder (Liliensymbol) und der Fahne der Pfadfinderinnen (Kleeblattsymbol). Von der Lafette zum Grab wurde der Sarg von sechs Scoutmastern getragen, währenddessen wurde der Pfadfinderpfiff auf einer Trompete geblasen. Auf dem Grabstein waren die beiden Symbole, das der Pfadfinder und das der Pfadfinderinnen, sein Name Robert Baden-Powell, sein Titel "Chief Scout of World", sein Geburts- und Sterbedatum sowie ein Symbol eingemeißelt. Ein Symbol, das nur Pfadfinder verstehen können, einem Waldläuferzeichen - ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte:
Es bedeutet: "Habe meinen Auftrag erfüllt, bin nach Hause gegangen."

1947

Zwei Jahre nach Kriegsende - im Jahre 1947, als die meisten Städte der ehemals verfeindeten Länder noch in Trümmern lagen - fand in Moisson, Frankreich, das sechste Jamboree, das "Friedensjamboree", statt.